Go West!

25.12.2016

Wie schon am 23.12., so verbringen wir auch den 25.12. an das neuseeländische Tierreich angepasst: Mit dem Bauch nach oben in der Sonne am Strand, darauf wartend, dass uns die High Tide wieder zurück ins Meer spült.

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26.12.2016

Nelson, es war uns eine Freude! Motueka, auch du hast uns ein schönes Weihnachtsfest beschert. Doch es geht ab gen Westen.
Viele Kurven später erreichen wir Westport und biegen nach Norden ab in Richtung Karamea. Die Westküste zeigt sich hier ganz besonders…. trostlos. Links das graue Meer, rechts eine steile Bergwand. Das Wetter ist grau. Wetteraussicht: grau. Wir disktuieren wo wir schlafen und entscheiden uns für die teuerste Variante: Gentle Annie’s.
Sollte es irgendeinen Leser in diese Gegend verschlagen, so sei ihm gesagt: Dort hat man sein Zelt aufzuschlagen! Ein kleines Paradies in der Einöde der nördlichen Westküste, mit Gesellschaftsraum, Steinofenpizzen (ja, die haben einen Steinofen auf der Terrasse!), warmen Duschen, sauberen Klos, einer Küche, einem wunderhübsch gemachten Campground am Meer mit herrlichem Sonnenuntergang (falls einem der vergönnt ist) und herzlichstem Personal. Herzlichst!

27.12.2016

Es sprühregnet und soll stärker werden, aber wir sind ja nicht aus Zucker! Also beschließen wir unsere Regenjacken überzuziehen und eine kurze Wanderung in den anliegenden Hügeln zu starten. Dort wurden vor 60 Jahren die Kohleminen verlassen und noch immer sind alte Gerätschaften und Bahngleise zu bestaunen. Die Minen selbst leider nicht.
Wie lässt sich unsere heutige Entscheidung kurz zusammenfassen?- Optimistisch.
Wir waren ja auf Regen vorbereitet. Doch auch so Regenkleidung und regenfeste Wanderschuhe haben einen Punkt, an dem sie einen Fragen, ob das ein schlechter Scherz sein soll. Denn was wir heute erfahren haben ist eines: Wenn es an der Westküste regnet, dann regnet es. Es ist also weniger, als ob jemand Wasserpistole neben dir steht, sondern vielmehr, wie wenn jemand konstant, glücklich grinsend Badewannen über deinem Kopf ausleert.

Nach 30 Min waren Julias Füße feucht und nach einer Stunde hat es keinen Unterschied mehr gemacht, ob sie um die Pfützen herum oder einfach durch läuft. Das Durchlaufen hatte den Vorteil des Wasseraustausches. Zu dem Zeitpunkt war auch ihre Hose durch und Marcos Jacke hatte auch langsam keine Lust mehr gegen das Wasser anzukämpfen. Nach weiteren 30 Minuten wurden auch seine Füße Stück für Stück nasser.

Lange Rede kurzer Sinn: Wir sind komplett druchnässt als wir zurück bei Hubble sind. Eigentlich sogar schon seit zwei Stunden.
Aber die Landschaft ist herrlich, das muss gesagt sein.

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28.12.2016

Wir verlassen Gentle Annie und fahren über Westport, wo wir uns eine Seal-Colony anschauen, weiter nach Süden zu den Pancake-Rocks.
Diese Gesteinsformationen sind genau so, wie sie heißen. Und irgendwie echt cool.

Was noch irgendwie echt cool ist, ist diese Westküste. Nach dem regenreichen Tag gestern malt heute Sonne das Meer rechts und die Berge links in unbeschreiblich schönen Farben. Marco versucht euch das abzufotografieren, aber wahrscheinlich ist Google da eine bessere Quelle. Die Berge ragen links steil, und wie von einem Pflanzenpelz überzogen nach oben, während das Meer blau und wild gegen die Felswände schlägt oder über weitgezogene Strände rauscht. Es fällt schwer diese Eindrücke in Worte zu fassen. Dieser Landstrich strotzt vor Lebendigkeit, alles bäumt sich kraftvoll auf und läd gleichzeitig jedes neue Lebewesen herzlich dazu ein, ein Teil von sich zu werden. Das Spiel aus Wind, Sonne, dem Meer, der Flora und den Bergen ist vollendet. Einfach vollendet.

29.12.2016

Nach einer Nacht in Barrytown (Oh yeah!) besuchen wir nochmal die Gegend um die Pancake-Rocks und wandern einen Fluss entlang, hinein ins Hinterland. Jeder Schritt ist auf’s Neue faszinierend. Die Bäume bilden ein Dach über allen anderen Pflanzen, ohne sie an ihrem Wachstum zu hindern. Der Fluss plätschert breit und flach durch eine Art Schlucht, durch die wir gehen. Auch heute ist das Wetter uns wohlgesonnen und wir genießen jede Minute.

Der Nachmittag führt uns nach Greymouth und weiter Richtung Hokitika, wo wir die Nacht weit abgelegen mit einigen wenigen anderen Campern wild campend am See verbringen.

30.12.2016

Aufstehen. Schiebetür auf.
See. Berge. Stille. Ein perfekter Morgen.
Wir packen jedoch recht schnell zusammen, damit wir nicht doch noch von irgendwelchen Leuten beim Wildcampen erwischt werden und fahren zum Blue Gorge.
Dieser Fluss ist so milchig blau, es scheint surreal. Marco packt die Badehose aus und springt hinein. Schöne Gewässer muss er wohl am Körper spüren, ansonsten hat er sie für sich verpasst. Ein Kind sondersgleichen.

Leider finden nicht nur Toursiten, sondern auch Sandflies diese Gegend recht ansprechend, weswegen wir uns nach kurzer Zeit wieder zum Auto begeben.
In Hokitika waschen wir unsere Sachen und besuchen ein Jademuseum. Julia gehen die Augen über. Ein Stein schöner als der andere. Ihr Geschmack ist hier äußerst bescheiden. Solche Ketten kosten gerade einmal 200-600$.
Der restliche Tag wird mit Wasserfällen und Abendessen bei einem Sonnenuntergang am Strand abgerundet.

2 Gedanken zu “Go West!

  1. Eure Beschreibung der Wanderung durch den Regen ist einfach herrlich 😀 Ich wünsche mir fast, dass euch mehrere solche Missgeschicke passieren, nur um im feinen warmen Bett sitzend darüber lachen zu können 😉

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