29.03.
Sandra verlässt mich heute wieder. Deshalb fahren wir weiter nach Tauranga. Ich bleibe erst einmal die nächsten Tage in dieser Stadt und couchsurfe in einer christlichen Community-WG namens „The Wharf“. Die WG hat meist drei Bewohner und ein Gästezimmer, in dem bis zu vier Backpacker schlafen können. Die Bewohner sind alle durch eine Organisation, die sich Steiger nennt verbunden. Außer mir schläft heute noch eine Finnin in dem Zimmer. Da das Wetter heute mal wieder wieder schlecht ist, bleibe ich den Nachmittag in der WG und lerne deren Bewohner kennen.
30.03.
Die Wharf befindet sich mittendrin im Stadtzentrum. Der perfekte Ort, von dem man die Stadt erkunden oder in die Art Gallery gegenüber gehen kann. Die Gallery beherbergt momentan eine Street Art Ausstellung mit wirklich guten Werken und u.a. auch Banksy.
Am Abend ist „Community meal“ angesagt. Was das ist? Alle Menschen, die irgendwie mit der Organisation Steiger verbunden sind oder sonst irgendwie christlich sind, sind in die WG zu einem gemeinsamen Abendessen eingeladen. Jeder bringt etwas zu essen mit und dann wird auf die Teller geschaufelt. Das einzige Christliche daran ist vermutlich ihr genereller Glaube und das Gebet vor dem Essen. Es ist ein netter Abend und ich lerne viele Leute kennen.
Das Gästezimmer wird heute voll, wir sind zu viert und es ist mal eine Abwechslung zu in Hubble schlafen.
31.03.
Nach einem ausgiebigen Frühstück mit Pfannkuchen geht es mit einem Mädel, dass bei mir im Zimmer geschlafen hat nach Mount Maunganui, eine Peninsula vor Tauranga. Maunganui ist ungefähr das Gegenteil von dem restlichen NZ: Ein großes Hotel neben dem anderen, es fühlt sich gar europäisch an.
Am Ende der Peninsula befindet sich ein 250 Meter hoher Berg. Die Aufgabe für heute: Einmal außen rum und dann auf ihn rauf! Easypeasy! Aber mittags bei gefühlt 30 Grad? Naja, gibt klügere Entscheidungen.
Die Belohnung dafür, dass wir uns raufgeschleppt haben wartet unten und heißt Strand. Und es kommt noch besser: Die Finnin unserem Gästezimmer hat sich ein Surfboard und Wetsuit ausgeliehen, was wir benutzen dürfen! Kurze Rede, kurzer Sinn: Julia geht zum zweiten Mal in ihrem Leben surfen. Dieses Mal mit kleinen Wellen und einem langen Board und sie steht! Man glaubt es kaum, aber sie steht hier und da für ein paar Sekunden. Ein langes Board ist eindeutig einfacher zum Surfen lernen.
What a day! =)
01.04.
Mein Morgen beginnt mit einer geführten Streetart Tour durch die Stadt. Zu sehen sind alle neuen Wandbemalungen quer durch die Stadt. Man sieht nicht nur die Kunstwerke, sondern erfährt nebenbei noch was über die Künstler und bei dem einen oder anderen stehen sie noch an den Mauern und vollenden diese.
Nachmittags fahre ich mit Emily aus der WG nach Mount Maunganui und schaue mir dort selbstständig die Street Art an. Nachdem ich heute genug rumgelaufen bin, liege ich faul am Strand rum und warte auf Emily, die währenddessen auf dem Berg war.
02.04.
Bevor das Wetter die nächsten Tage schlecht wird, fahre ich gute 30 km in den Norden zu einem Wald, wo es große Kauri Bäume geben soll. Also wandere ich durch den Wald, alles ist so schön grün und ruhig. Es gibt tatsächlich zwei große Kauri Bäume und ich finde auch kleine Stückchen Kauri Bernstein!
Das Wetter kippt langsam, also fahre ich zurück und verbringe den Rest des Tages in Tauranga. Auf dem Weg dorthin komme ich noch an einigen Kiwiplantagen und schrägen Vögeln vorbei.
Wie gesagt lebe ich ja momentan unter christlichen Menschen. Da geht man auch mal sonntags in die Kirche. Ich werde eingeladen am Abend mitzukommen und mir das ganze mal anzuschauen. Es hat mit unserer Kirche so gar nichts gemeinsam. Es hat eher einen Lagerhallencharakter, als die Erscheinung eines heiligen Ortes. Der „Gottesdienst“ kommt mir wie eine Mischung aus Rockkonzert und TED Vortrag vor. Es ist interessant, wie die Menschen Jesus leben und spüren. Es war mal eine komplett andere Erfahrung.
03.04.
Lange war ich nicht mehr so wütend, frustriert und vor den Kopf gestoßen wie heute. Der letzte Vineyard, auf dem ich gearbeitet habe will mich nicht für die noch ausstehenden Tage zahlen, obwohl ich dort war und gearbeitet habe. Es gibt auch ausreichend Beweise, dass ich da war, wie z.B. Fotos, die ich dort gemacht habe. Warum kann mal nicht alles glatt laufen?? Um den Kopf ein wenig frei zu bekommen und mir eine Strategie zu überlegen fahre ich nach Maunganui, bin dabei aber nicht so erfolgreich. Am Abend sind noch ein paar Leute in die WG eingeladen zu einem BBQ. Ich sterbe vor Hunger, denn die Leute hier leben auch nach der eher südländisch tickenden Uhr…
04.04.
Alles fühlt sich nach Weltuntergang an. Draußen schüttet es aus Kübeln und ich bin froh ein Dach über dem Kopf zu haben und nicht aus dem Haus zu müssen. Was den Lohn angeht, hat sich auch nichts geändert, die Emails und Telefonate gehen hin und her. Erfolglos bisweilen.

05.04.
Es hat sich nicht viel zu gestern verändert. In einer Regenpause gehe ich ins Citizien bureau um mir dort rechtliche Hilfe zu suchen. Sie können mir aber nicht mehr helfen als die Nummer des Arbeitsministeriums zugeben, da ich bereits alles andere mir Mögliche gemacht habe. In dem Telefonat erfahre ich dass ich eine Klage einreichen kann, was aber einige Zeit dauern wird. Da ich nicht alles verstanden habe und nicht ganz zufrieden bin mit der Situation gehe ich noch zu einem kostenlosen Community Juristen, die kostenfrei sind. Das Ergebnis nach 10 Minuten: Eine Klage ist zu viel Aufwand für das bisschen Arbeit, jedoch kann ich das Unternehmen beim Ministerium melden, damit sie sehen können, ob noch mehr Beschwerden auf diesen Namen laufen. Jedenfalls habe ich somit aktiv etwas getan, was ich dem Vineyard zeigen kann und ihnen somit klarmache, dass ich es ernst meine.
In einem Regenspaziergang komme ich an einem günstigen Friseur vorbei und beschließe kurzer Hand, dass jetzt eine guter Zeitpunkt für kürzere Haare ist. In Asien wird es heiß und ich binde meine Haare sowieso meist zusammen.